TOP Ausbilder 2025Ausbildung sichert Handwerkstradition: Warum Christian Elstner junge Steinmetze ausbildet
Steinmetz Christian Elstner bildet aus, damit alte Handwerkstraditionen erhalten bleiben und lebt die Leidenschaft für seinen Beruf vor.
Wenn bei Steinmetz Schneeberg in Staßfurt neue Grabmale entstehen, ist das keine Serienarbeit – sondern individuelle Gestaltung und handwerkliche Umsetzung. Im Beratungsgespräch werden erste Entwürfe und Formen skizziert und falls gewünscht mit einer speziellen Software in 3D-Modelle übertragen, die sich der Kunde mit einer VR-Brille anschaut. Der Stein wird mit Bedacht ausgewählt und in Form gebracht. Schriften werden entworfen, angelegt und in Handarbeit gehauen. „Bei uns trifft Tradition auf Moderne“, sagt der Inhaber des Drei-Mann-Betriebs, Steinmetzmeister Christian Elstner. Genau diese Haltung prägt auch die Ausbildung im Betrieb, der 2025 als TOP AUSBILDER der Handwerkskammer Magdeburg ausgezeichnet wird.
Christian Elstner, Jahrgang 1977, weiß, wie früh Leidenschaft wachsen kann. In seinem Heimatort Barby hat er seit seinem 13. Lebensjahr bei einem Steinmetz mitgearbeitet. Nach Abitur und Bundeswehr machte er die Ausbildung zum Steinbildhauer. Nach sechs Semestern Bio-Informatik ging er endgültig zurück in sein Handwerk.
Das ist mein Beruf und meine Berufung.
Christian Elstner, Steinmetzmeister
Zwölf Jahre lebte und arbeitete er in Bayern und kehrte dann aus persönlichen Gründen in seine Heimat zurück. Dort ergab sich zunächst ein passendes Betätigungsfeld und bald eine größere Aufgabe: Die Firma Schneeberg suchte jemanden, der Schriften hauen kann. Elstner stieg ein und als sein Chef 2014 in Rente ging, übernahm er den Betrieb und holte die Meisterausbildung nach.
Das „Geheimrezept“ für gute Ausbildung? Es ist eine Mischung aus Nähe, echter Praxis und klarer Erwartung. „Bei uns geht es familiär zu“, sagt Elstner. Azubis sind Teil des Teams, werden gesehen und ernst genommen. Der Einstieg beginnt nicht mit einem Vertrag, sondern mit Neugier. „Der beste Einstieg ist ein Schüler-Praktikum.“ Wer kommt, darf nicht nur zuschauen: „Wir gehen offen auf die Schüler zu und lassen sie probieren.“ Genau dieses Ausprobieren – das erste Gefühl für Werkzeug, Material und Sorgfalt – entscheidet im Steinmetzhandwerk schnell darüber, ob es „passt“.
16 Schüler-Praktikantinnen und -Praktikanten und drei Girls-Day-Teilnehmerinnen hatte Elstner in den vergangenen zehn Jahren, drei davon haben dann eine Ausbildung bei ihm absolviert, einer davon wurde sogar Landessieger im Praktischen Leistungswettbewerb (heute „Deutsche Meisterschaft im Handwerk“) – eine tolle Bilanz, die er ständig fortschreibt.
Ich bilde aus, damit alte Handwerkstraditionen erhalten bleiben, sonst stirbt unser Beruf aus.
Christian Elstner, Steinmetzmeister
Ausbildung versteht Elstner, der auch Vorsitzender der Gesellenprüfungskommission des Landesverbandes und Dozent in der Meisterausbildung ist, als Verantwortung für ein Gewerk, das Bestand haben soll. „Ich bilde aus, damit alte Handwerkstraditionen erhalten bleiben, sonst stirbt unser Beruf aus.“ Er lebt die Leidenschaft für seinen Beruf vor: mit Anspruch an Gestaltung, mit Geduld beim Üben, mit dem Blick fürs Detail, das am Ende den Unterschied macht. Und er sagt es immer wieder auf Innungsversammlungen: „Wir müssen mehr ausbilden.“ Nicht irgendwann – sondern jetzt, damit Wissen, Handgriffe und Gestaltungskompetenz nicht verloren gehen.
Dass ein Betrieb wie Steinmetz Schneeberg junge Menschen ausbildet, ist damit mehr als Nachwuchsgewinnung. Es ist ein Beitrag zur Handwerkskultur in der Region – und ein Signal: Gute Ausbildung entsteht dort, wo man Vertrauen gibt, Raum zum Lernen schafft und zugleich zeigt, wofür sich Anstrengung lohnt.
Anja Gildemeister