BetriebsführungZeitwertkonten in Handwerksbetrieben – Der Schlüssel für Mitarbeiterbindung, Vorruhestand und Altersversorgung?
Die drohende Anhebung des Renteneintrittsalters sowie der nahende Renteneintritt der Babyboomer-Generation stellen Unternehmen vor große Herausforderungen – insbesondere im Handwerk, wo viele Berufe schwer bis ins hohe Alter ausgeübt werden können.
Warum Zeitwertkonten für Handwerksbetriebe immer wichtiger werden
Zeitwertkonten können Abhilfe schaffen: Das Zeitwertkonto ist ein Guthaben, das dem Arbeitnehmer zur Ansparung von Zeit- und Entgeltbestandteilen zur Verfügung steht, um berufliche Freistellungen zu finanzieren. Zeitwertkonten können u.a. gezielt genutzt werden, um die demografische Entwicklung eines Betriebs zu steuern und Mitarbeitenden wie auch Unternehmern einen Vorruhestand, eine ruhestandsnahe Teilzeitarbeit oder eine Aufstockung der betrieblichen und gesetzlichen Rente bei hoher Planungssicherheit zu finanzieren.
Unterschied zur betrieblichen Altersversorgung
Hier liegt der Unterschied zur betrieblichen Altersversorgung: Wer ein Zeitwertkonto bespart, bleibt flexibel. Das Guthaben steht schon vor dem Renteneintritt im Erwerbsleben zur Verfügung, was Arbeitnehmern wie Unternehmen eine hohe Planbarkeit ermöglicht. Durch das Zeitwertkonto gehen (im Vergleich zur klassischen betrieblichen Altersversorgung) keine Rentenpunkte verloren.
Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte
Weiterhin kann der Arbeitgeber durch das Zeitwertkonto genau planen, wie lange sein Mitarbeiter noch im Unternehmen verbleibt und so planbar für Ersatz sorgen. Stabile Belegschaften erleichtern die Unternehmensnachfolge. Die Arbeitnehmer werden wiederum in der krankheits- und ausfallanfälligsten Zeit des Berufslebens vor dem Ruhestand entlastet. Teilzeitarbeit ist weiterhin möglich.
Steuerliche Vorteile und Flexibilität beim Ansparen
Ein weiterer Vorteil liegt in den Renditechancen: Das Guthaben von Zeitwertkonten wird erst in der Freistellungsphase besteuert und verbeitragt. Das heißt, Begünstigte profitieren von der nachgelagerten Besteuerung und Verbeitragung, indem sie aus Ihrem Bruttogehalt sparen, ohne auf viel Nettogehalt in der Ansparphase zu verzichten. Beim Einbringen von Überstunden oder Urlaubstagen (über den gesetzlichen Mindestanspruch hinaus) muss in der Ansparphase auf kein Nettogehalt verzichtet werden.
Steuervorteile im Zeitverlauf
Durch die inflationsbedingte Anpassung der Steuertabellen zugunsten der Steuerpflichtigen oder gesetzliche Neuregelungen (z. B. die Reform des Solidaritätszuschlags) ergaben sich im Zeitverlauf umfangreiche Steuervorteile für die Begünstigten. Die Leistungen des Zeitwertkontos werden nämlich mit dem Steuersatz im Jahr der Auszahlung besteuert. Das gezielte Besparen ermöglicht darüber hinaus durch die Steuerung des zu versteuernden Einkommens über das Berufsleben hinweg eine Reduzierung der Besteuerung des Lebenseinkommens.
Kapitalerträge und Rückdeckung von Zeitwertkonten
Das Bruttosparen bietet darüber hinaus noch den Vorteil hoher Kapitalerträge: Denn Zeitwertkonten werden üblicherweise mit verpfändeten Versicherungen oder Investmentfonds rückgedeckt, um den gesetzlich vorgeschriebenen Insolvenzschutz zu gewährleisten. Diese erreichten in den letzten Jahren regelmäßig jährliche Renditen von 3-4 %. Durch die Besparung aus dem Bruttogehalt steht ein hoher Kapitalstock zur Verfügung. Nicht nur die Nettogehaltsbestandteile erwirtschaften Renditen, sondern auch die gestundeten Steuern und sv-Abgaben. Kapitalertragsteuer fällt beim Zeitwertkonto nicht an.
Lösung für Überstunden und bilanzielle Entlastung
Auch für verschiedene unternehmerische Problemstellungen stellen Zeitwertkonten die Lösung dar: So sammeln in Zeiten des Fachkräftemangels viele Arbeitnehmer zahlreiche Überstunden. Gelingt der Freizeitausgleich nicht ausreichend, so sind oft hohe Überstundenrückstellungen die Folge - ein Kosten- und Risikofaktor. Die Überführung in ein Zeitwertkonto ist in unbegrenzter Höhe möglich und bringt eine rasche bilanzielle Entlastung durch Auflösung der Überstundenrückstellung und Verbesserung der Eigenkapitalquote, die eine wichtige Rolle bei der Kaupreisermittlung im Zuge der Unternehmensnachfolge spielt.
Einführung und rechtssichere Umsetzung
Sie sind interessiert an einem Zeitwertkontenmodell? Wenden Sie sich an ein spezialisiertes Unternehmen, das das Modell für Sie einführt und administriert. Die rechtssichere Einführung von Zeitwertkonten erfordert die Kenntnis der umfangreichen steuer-, sv- und arbeitsrechtlichen Grundbedingungen sowie der Verwaltungspraxis, um potentielle Risiken für Ihr Unternehmen sicher auszuschließen. Der laufende Administrationsaufwand für Ihr Unternehmen wird durch den Dienstleister betreut. Die Preise für die Einführung von Zeitwertkonten starten in Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern in der Regel bei rund 500 € - 1.000 € netto pro Unternehmen. Die monatliche Administrationsgebühr liegt zwischen 2-3 € pro Mitarbeiterkonto.
Ein Artikel der Universität Hamburg/ Institut für betriebliche Altersversorgung und Steuern
Ansprechperson:
Abteilungsleiterin Betriebsberatung/Unternehmensförderung
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